Großstadtliebe

Andrew glaubt, dass Bonn mehr kann als Beethoven und Haribo. Vor eineinhalb Jahren hat er das Love your Local in der Altstadt eröffnet. Dort verbreitet er lokale Kunst, Designs und viel Liebe in der Stadt.

Seinen Laden wollte er unbedingt in der Altstadt aufmachen. Nur dort und nirgendwo sonst. Wird er nach dem Grund dafür gefragt, lautet die Antwort schlicht und ergreifend: „Weil ich die Altstadt liebe“. Passenderweise steht auf einer weißen Postkarte direkt neben der Eingangstür „Je t’aime beaucoup“ geschrieben – ich liebe dich sehr. Und somit ist schon Sekunden nach Betreten des Ladens deutlich, was sich hinter dem Love your Local von Andrew Triebe eigentlich verbirgt. Es ist eine Hommage an Bonn. Eine Hommage an die Künstler und Kreativen der Stadt. Eine Hommage an das Lokale, das Regionale und kleine unabhängige Projekte.

Vor eineinhalb Jahren hat Andrew das Geschäft eröffnet. Er bietet dort überwiegend regionale Produkte an. Auf selbstgebauten Regalen stehen Schokoladencremes einer kleinen Dattelmanufaktur neben gerösteten Kaffeebohnen aus dem Bonner Norden. An einer Kleiderstange verkünden schwarze und weiße Sweatshirts selbstbewusst, dass sich das Rheinland durchaus mit großen Weltmetropolen messen könne: „Paris, London, Tokyo, Bonn“. Handgemalte Bilder der Altstadt verzieren die Wände. Von quadratischen Kunstdrucken blickt ein grimmiger Beethoven in den Raum. Andrew will in seinem Laden die Kreativität aus der Region unterstützen und sich, so drückt er es aus, gegen langweilige Massenproduktion stellen.

 

 

Der 36-Jährige ist in Saudi-Arabien geboren, wo sein Vater lange Zeit als Ingenieur arbeitete. Als Andrew elf Jahre alt war, brach der Zweite Golfkrieg aus. Die Familie kam zurück nach Deutschland und zog nach Weeze am Niederrhein. Andrew machte dort sein Fachabi und landete nach einer Ausbildung zum Mediengestalter vor zehn Jahren schließlich in Bonn. Seinen ersten Sommer in der Altstadt bezeichnet er heute als unbeschreiblich. Die Liebe für die Stadt habe auf den ersten Blick begonnen.

Die Idee für das Love your Local kam ihm auf dem Designmarkt, den er seit drei Jahren organisiert. Auf der „Strich & Faden“ lernte er zahlreiche lokale Künstler und Designer kennen. Er fragte sich damals, warum es für diese Kreativität in Bonn keinen Laden gab. Als dann in seiner Nachbarschaft ein Geschäft frei wurde, war der Grundstein für das Love your Local gelegt.

Das erste Produkt, das er nach der Eröffnung verkaufte, war eine Postkarte. Drei Euro und fünfzig Cent bezahlte die Kundin dafür. Der Kassenbon steht heute in einem goldenen Bilderrahmen hinter der Theke versteckt. Er ist die Erinnerung an eine Idee, die klein angefangen hat, mit der Hilfe von Freunden und Familie aber immer größer wurde.

 

 

Denkt Andrew an die Eröffnung zurück, muss er lachen. Die Zeit davor verlief chaotisch. Als er das Geschäft damals übernahm, waren die Wände in einem dunklen Orange gestrichen. Das wollte er eigentlich nicht sonderlich ändern. „Zum Glück hab ich aber auf meine Freunde gehört“, sagt er heute. Die konnten ihn davon überzeugen, die Wände gründlich zu streichen, sich Gedanken um die überwiegend selbstgebaute Einrichtung zu machen und sich Zeit zu lassen. Dennoch hatte Andrew Zweifel. Er machte sich Sorgen, ob überhaupt Leuten kommen würden. Doch der Tag der Eröffnung wurde ein Erfolg. Es war warm draußen, die Nachbarschaft zeigte Interesse, man saß bis spät in die Nacht zusammen und trank Bier und Gin.

Der Laden ist ein Experiment, das bisher gut angenommen wird. Andrew ist zufrieden. Das Wichtigste für ihn sei ohnehin, die Künstler und Kreativen zu unterstützen. Er hofft, dass die Produkte im Love your Local als Inspiration für jene dienen, die sich bisher nicht getraut haben, ihre eigenen Ideen umzusetzen. Andrew ist überzeugt davon, dass jeder sich und seine Kreativität ausleben sollte. Das klinge zwar nach einem wenig originellen Spruch – „Tu nur das, was du liebst, und du musst keinen Tag deines Lebens arbeiten“ –, doch am Ende gehe es doch wirklich darum, sich für etwas einzusetzen, das einem ehrlich am Herzen liege. Und genau das tut er in der Altstadt. Er verbreitet Kreativität und Liebe. Etwas, das ihm am Herzen liegt.

 

 

Von Judith Nikula

 

 

 

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