Burgerkings

Streetfood und Limonade. Im heißesten Sommer und im kältesten Winter. Seit zwei Jahren arbeiten Phillip und Claudio bei Urban Food. Dort bieten sie ihre ganz eigenen Burger an. Dies ist ihre Geschichte.

Werden sie nach ihrem Lieblingsessen gefragt, schütteln beide den Kopf. Die Frage sei falsch und müsse andersherum gestellt werden: Ob es etwas gebe, dass sie nicht essen würden? Nein. Abgesehen vielleicht von Sauerkraut. Oder Innereien. Eine Kombination, die sich nicht sonderlich schmackhaft anhört, wie sie lachend zugeben müssen. Was stattdessen für beide sehr viel besser klingt? Das ist Streetfood.

Seit zwei Jahren arbeiten Claudio Maldonado und Phillip Schickler als Köche bei Urban Food. Tag für Tag stehen sie gemeinsam in einem knallgelben Container vor dem Basecamp in Dottendorf. Tag für Tag bereiten sie ihr ganz eigenes Streetfood zu. Mal sind das Hamburger, mal Cheeseburger, mal Baconburger, mal vegane Currywurst und Pommes. An besonders kalten Tagen öffnen sie den Rollladen vor ihrer silbern glänzenden Theke erst, wenn die ersten Bestellungen reinkommen. Dann hängt draußen ein Zettel, auf dem geschrieben steht: „Bitte klopfen. Uns ist nur etwas kalt“.

Auch an diesem Montag im Februar liegt die Temperatur deutlich unter dem Gefrierpunkt. Es ist kurz nach halb zwölf und während Claudio und Phillip angeregt über Streamingdienste für Musik diskutieren, ist ihr eigener Atem in der eiskalten Luft sichtbar. Selbst mehrere Pullover übereinander halten die beiden in diesem Moment nicht sonderlich warm. Gäste kommen trotzdem vorbei. Bei Urban Food sitzen feinste Anzüge neben Kapuzenpullovern, stehen Aktentaschen neben Rucksäcken, treffen Geschäftsleute auf Schulkinder – allesamt vereint durch die Vorliebe für Burger.

 

 

Dass Phillip und Claudio heute zusammen bei Urban Food arbeiten, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken. Kennengelernt haben sie sich in einer Kochschule in Bad Godesberg, die es mittlerweile nicht mehr gibt. „Aber nicht wegen uns“, merkt Claudio mit erhobenem Zeigefinger und einem breiten Grinsen an. Vor fünf Jahren ist der 36-Jährige aus Lima nach Deutschland gekommen. In Peru machte er eine Ausbildung zum Koch und Hotelier. Lange Zeit arbeitete er in Sternerestaurants, bis er merkte, dass er das nicht mehr wollte und nicht mehr konnte. Stattdessen wünschte er sich Wochenenden ohne Dienst und mehr Zeit für seine Familie.

Nach mehreren Zwischenstationen in Bonn kam Claudio im Sommer 2016 schließlich zu Urban Food. Weil sie sich noch aus der Zeit in Bad Godesberg kannten, kam Phillip kurze Zeit später ins Team. Das war im November 2016. Ähnlich wie Claudio hat auch der 26-Jährige eine Ausbildung zum Koch abgeschlossen und lange Zeit in Luxusrestaurants gearbeitet – teilweise sechs Tage die Woche und nie weniger als zwölf Stunden. Ihm gefiel die Kreativität, die er in der Küche ausleben konnte, nicht aber die Arbeitszeit, die nur selten Freiraum für andere Dinge ließ. Bei Urban Food habe sich das geändert, betont er. Jetzt könne er seine Freizeit viel eher genießen.

 

 

Das Einzige, das die beiden Köche heute an ihrer Arbeit stört, ist die Schranke am Bahnübergang direkt neben dem Basecamp. Seit im vergangenen Jahr eine neue Haltestelle in der unmittelbaren Nähe eröffnet wurde, wisse man nie so genau, ob die Wartezeit an der Bahnstrecke fünf Minuten oder eine halbe Stunde beträgt, erklärt Phillip. „Die Schranke ist also unser Feind“, ergänzt Claudio scherzend und lacht laut auf.

Für ihre Zukunft bei Urban Food wünschen sie sich, dass ihre Gäste weiterhin regelmäßig wiederkommen. „Vielleicht aber nicht fünf Mal die Woche“, sagt Claudio. „Das wäre zu ungesund“. Und wieder lacht er sein herzliches Lachen, wie schon so oft an diesem Montag. Die Atmosphäre bei Urban Food ist entspannt und familiär. Wenn Phillip dann sagt, dass für ihn ohnehin der stressfreie Genuss im Vordergrund stehen soll, nickt Claudio zustimmend und vergleicht das mit der Mentalität seines Heimatlandes. In Peru lebe man, um zu essen. In Deutschland, so ist sein persönlicher Eindruck, esse man oftmals nur, um zu leben. Wenn sie das bei Urban Food auch nur ein wenig ändern können, dann sind sie zufrieden. Bisher gelingt ihnen das ausgesprochen gut.

 

 

Von Judith Nikula

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