Tanzfieber

Auf ihren Partys läuft tanzbarer Elektro. Singen sie allerdings Karaoke, dann klingt auch mal Xavier Naidoo durch den Raum. Vor einem Jahr haben Cedric und Huy „Off the Record“ gestartet. Dies ist ihre Geschichte.

Ob es voll wird oder nicht, ob zehn oder hundert Leute kommen, ob es die beste Party des Jahres wird – das sei alles nicht so wichtig. Es ging nie darum, so bekannt wie möglich zu werden. Die Idee entstand einfach nur, weil in der Stadt mehrere Clubs schließen mussten. Erst das Tante Rike im vergangenen Jahr, dann das Kreuzberg vor wenigen Wochen. Seitdem habe ihnen die elektronische Musik in Bonn nicht mehr gefallen. Mit ihren Partys bei „Off the Record“ wollten sie schließlich neue Impulse setzen, neue DJs präsentieren und das Tanzfieber zurückbringen.

Es ist kurz nach acht an einem bewölkten Freitagabend im März. Cedric Teichmann und Nhat Huy Nguyen sitzen nebeneinander auf einem der Sofas im The 9th. Das ist der Coworking-Space, den Cedric vor einem Jahr nahe dem Marktplatz gegründet hat. Früher befand sich dort ein Schuhgeschäft, heute ist es ein kreativer Ort, an dem ebenso kreative Ideen entstehen sollen. An diesem Abend im März feiert das 9th seinen ersten Geburtstag. Doch auf der Party wird nicht Beethovens namensgebende Neunte Symphonie zu hören sein, sondern elektronischen Beats. Cedric und Huy haben als „Off the Record“ die Musik organisiert. Zwei DJs werden auflegen.

 

 

Im August 2017 fand „Off the Record“ zum ersten Mal statt. Für Cedric und Huy war es ein Experiment. Das Format sollte eine Plattform sein für junge Talente aus der elektronischen Musikszene. Bei den Partys konnten sie sich ausprobieren. Alles ohne jegliche Vorgaben, alles ohne jeglichen Zwang, immer freitags in den frühen Abendstunden.

Ob sie vor ihrer ersten Veranstaltung aufgeregt waren? Sie sehen sich kurz an. „Aufgeregt?“, fragt Cedric mit einem Grinsen. „Come on“, vervollständigt Huy und zitiert damit das Jurymitglied einer gewissen Castingshow, bei der jeden Donnerstag Nachwuchsmodels gesucht werden. Dann fangen sie beide lauthals an zu lachen. Nein, aufgeregt waren sie nicht wirklich. Es gab ja nichts zu verlieren. Stattdessen ging es darum, neue Musik nach Bonn zu bringen und herauszufinden, ob und wie das funktioniert. Manchmal tanzten bei ihnen dann eben 30 Leute, manchmal aber auch nur fünf.

 

Off the Record

 

An diesem Abend im März hängen für die Party unzählige weiße und schwarze Luftballons unter der hohen Decke im The 9th. Vor den Backsteinwänden ringsum stehen Sofas und Liegestühle. Zischend öffnen sich Limonaden- und Bierflaschen. Einige Gäste schleichen um das kleine Büffet mit den veganen Snacks herum. Die Atmosphäre ist entspannt und familiär. Man kennt sich untereinander. Noch ist es zu früh, aber später am Abend werden die Leute tanzen.

Wann und wie „Off the Record“ nach dieser Geburtstagsfeier allerdings weitergehen wird, wissen Cedric und Huy nicht. Zum einen, weil im The 9th wieder mehr gearbeitet und weniger getanzt werden soll. Zum anderen, weil Huy zuletzt seinen Bachelor in Asienwissenschaften abgeschlossen hat und nun nach Berlin zieht. Trotzdem schließen beide nicht aus, das Format irgendwann wieder aufzugreifen. Denn was als kleine Idee begann, hat ihnen am Ende großen Spaß gemacht. Immerhin wussten sie vorher nie, was sie bei den einzelnen Partys erwartet.

Und gerade weil so vieles passiert sei, können sie auch die Frage nach ihrer schönsten Erinnerung nicht eindeutig beantworten. So erzählen sie etwa von dem Abend, an dem sie nach der Party zwei Stunden lang noch Karaoke sangen und Huy seine beste Xavier-Naidoo-Performance hinlegte. Oder von dem Abend, an dem ein Freund ihnen ein Graffiti sprühte, das sie noch heute in Ehren halten. Von Abenden, an denen viel getanzt wurde. Und von Abenden, an denen die Musik ganz und gar nicht funktionierte und der Raum plötzlich menschenleer war.

„Es war ein Experiment“, sagt Huy dann wieder. Ein Experiment, mit dem sie beide zufrieden gewesen sind. Etwas, das sie einzig und allein starteten, weil sie „wirklich Bock darauf hatten“, wie Cedric es ausdrückt. Und wer weiß, wie es mit dieser Idee weitergehen wird. Wer weiß, was die Zukunft bringt. Gute Freunde bleiben sie auf jeden Fall. Egal, ob in Berlin oder Bonn. Egal, ob mit oder ohne „Off the Record“. Zusammen tanzen werden sie weiterhin.

 

 

Von Judith Nikula

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